Wie wir helfen - Betreuungsangebote

Erlebnispädagogik

Erlebnis- und freizeitpädagogischer Bereich Martinswerk:

 "Es ist die Aufgabe der Erlebnispädagogik, dem Leben das Geheimnis, das in der Moderne zu verschwinden droht, zurückzugeben."
(Kurt Hahn)

"Das ewige Leben-Wollen und Nicht-Sterben-Können ist aber selber schon ein Zeichen von Greisen-haftigkeit der Empfindung: Je voller und tüchtiger man lebt, umso schneller ist man bereit, das Leben für eine einzige gute Empfindung daranzu-geben. Ein Volk, dass so lebt und empfindet, hat Kriege nicht nötig."
(Friedrich Nietzsche)

"Um weise zu werden, muss man gewisse Erlebnisse erleben wollen, also ihnen in den Rachen laufen"
(Friedrich Nietsche)

Über Erlebnispädagogik im Martinswerk:

"Erlebnisse sind Bewusstseinsvorgänge, in denen der Mensch tief innerlich und ganzheitlich von der Sinn- und Wertfälle  eines Gegenstandes ergriffen wird" (Zitat Wikipedia).
Erlebnispädagogik ist für uns somit sehr eng verbunden mit einer Werteerziehung, dem Erkennen des Eigenen und des Wertes des Anderen, des menschlichen Miteinanders und der Welt. So ist sie handlungsorientierte Methode einer Erziehung zur Moral mit Kopf, Herz und Hand ohne erhobenen Zeigefinger.
Sie vermittelt den/dem Menschen in seiner ganzen Authentizität, mit allen Schwächen und Stärken so konkret, wie es im Zeitalter des Cyberspace, des Handys und des histrionischen Fernsehens sonst kaum noch möglich ist.

Die Erfahrung dieser Ganzheit, dem Heilen, hat sehr viel Heilendes. Deshalb ist Erlebnispädagogik im Bereich der Jugendhilfe unserer Meinung nach ein wichtiges Instrument, um junge Menschen erlebnis- und  lebensfähig und sie auch erlebenswert zu machen. Ihr herausfordernder Charakter bietet die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und damit zu tief greifenden Glück.
Erlebnispädagogische Aktionen verstehen wir nie als reine Sportveranstaltungen. Psychische und physische Belastungen, Ängste und Widerstände, die in erlebnispädagogischen Aktionen zutage treten, mobilisieren Fähigkeiten von Einzelnen und Gruppen und können so bewältigt werden. Grenzerfahrungen dienen dem Ziel, Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.
Die Vermittlung dieser Erfahrungen wird im Martinswerk konkret mithilfe der erlebnispädagogischen Medien der

  • Fahrradtour, u.a. zum Biggesee mit Zelten,
  • der Orientierungstour,
  • Wandertouren,
  • kooperativen Abenteuerspielen,
  • des Bogenschießens,
  • der kleinen Wildniserfahrung,  
  • bei Fahrten auf einem Frachtschiff,
  • dem (Nacht)wandern,
  • im Lagerleben,
  • beim Klettern,  
  • kooperativen Abenteuerspielen und Vertrauensübungen,
  • bei Kanutouren und
  • unseres Tipis

umgesetzt.

Erlebnispädagogik ordnet sich im Martinswerk in folgende Bausteine:

  • Erlebnissport mit für sich selbst sprechenden Erlebnissen
  • Lehreinheiten mit dem Einsatz der Medien der Erlebnispädagogik mit festem Lernziel und Reflexionen
  • Einsatz erlebnispädagogischer Instrumente für Übergangsrituale und zur Initiation für die Kinder, insbesondere für biographische Bewusstseinsprozesse und über ihr Sein in der Welt.

Die Erlebnispädagogik im Martinswerk wird fortlaufend konzeptionell weiterentwickelt und ausgebaut, kann aber gegenwärtig schon auf folgendes, breit gefächertes Angebot verweisen:

Konzeptionelle erlebnispädagogische Angebote:

► Verselbständigungstraining "Outward Bound Kurs"
"Ein Schiff ist im Hafen sicherer als auf See. Doch wofür ist ein Schiff gebaut?"   Überliefert

Der koedukative Kurs ist als eine Art Schwellenritual gedacht für Jugendliche ab 14 Jahren, die in absehbarer Zeit das Heim verlassen und/oder in die Verselbständigung gehen, und die Begleitung, Bewusstheit und Orientierung für diesen Weg brauchen.
Die Jugendlichen sollen ein Stück auf den Eintritt in ein erwachsenes, freies Leben vorbereitet werden, zumindest soll ihnen deutlich werden, was das bedeutet:

  • Dass sie dieses selbst "steuern" dürfen und auch müssen.
  • Dass sie sich öfter auch neu orientieren und umrichten müssen.
  • Dass sie die Fähigkeit brauchen, dass eigene Lebenskonzept schöpferisch zu gestalten.
  • Dass sie den Umgang mit persönlicher Freiheit üben.
  • Und auch wie sie das machen könnten.

Hierzu ist handlungsorientiertes, entdeckendes Lernen ideal, weil man "gewissermaßen probeweise Situationen bewältigen muss, in denen das, was erst gelernt werden soll, bereits praktiziert wird". Erlebnispädagogik ist durch das ganzheitliche Riskieren des eigenen (noch im Werden begriffenen) Ichs in Echtsituationen besonders geeignet, das Wagnis des Individualisierungsprozesses zu verdeutlichen und sie bietet evidente, eindrückliche und nachhaltige Bilder, die den Jugendlichen den eigenen Reifeprozess prospektiv anschaulich erleben lassen.
In einer zukünftigen Krisensituation, beispielsweise Arbeitslosigkeit, Liebeskummer oder Umzug können diese Bilder abgerufen werden.
Sie schaffen durch das bereits Erfahrene kognitiv und emotional Entlastung und Trost und bieten dann neue Handlungsoptionen und eine erhöhte Frustrationstoleranz.

Medien sind:

  • Bogenschießen                                              
  • Zelten
  • Orientierungstour
  • Klettern
  • Reise mit einem Schiff
  • Labyrinth
  • Höhle
  • und eine eigenständig geplanten Expedition

Jede Aufgabe beinhaltet Teile, die von den Absolventen als herausfordernd wahrgenommen werden. Solche Herausforderungen berüühren Grenzen und provozieren zum Schritt aus der Komfortzone des Gewohnten heraus.

► "Expedition" - von den Kindern- und Jugendlichen selbstinitierte und organisierte Tour mit Begleitung zur Förderung der Eigeninitiative und Selbstorganisation.
"Wir haben uns verirrt, kommen aber gut voran."  Tom De Marco
Die Expedition, bei der es neben einer natursportlichen Aktivität auch um lebenspraktische Alltagserfahrungen geht wie z.B. Versorgen, Transportieren, Nachtlager bereiten, ist eine mehrtägige Tour,  der eine intensive Planungs- und Vorbereitungsphase vorausgeht.
Die Kinder organisieren sich ihren Speiseplan und das Essen selbst, genau wie Route (einige zur Auswahl), Material und Logistik. Es finden 4 Vortreffen statt, an denen das Wichtigste besprochen wird. Dabei ist Begleitung insbesondere was den Einigungsprozeß angeht, notwendig. Die Kinder dokumentieren ihre Reise mit einem Photoapparat.

► Gruppeninternes Sozialkompetenztraining mit erlebnispädagogischen Methoden:

Erlebnispädagogik für die Wohngruppen:
Es besteht die Möglichkeit von erlebnispädagogischen Angeboten zum Training sozialer Kompetenzen für einzelne Wohngruppen.
Kommunikations-, Wahrnehmungs-, Vertrauens- und Kooperationsfähigkeit werden erweitert und das Geschehen in Reflexionen besprochen.

Medien sind:

  • Orientierungstour
  • Fahrradtour und evtl. Zelten/ Biwakieren
  • kooperative Abenteuerspiele
  • Hochseilgarten*, Klettern
  • Nachtwanderung
  • Solo
  • Naturerfahrungen
  • Bogenschießen
  • Lager und Leben in der relativen Wildnis

► THW:
Einer der theoretischen Vordenker der Erlebnispädagogik, Kurt Hahn bemängelte, dass in Folge von Stress des modernen Lebens eine Oberflächlichkeit entsteht, die den Menschen gleichgültig werden lässt. Diese Schnelllebigkeit der modernen Gesellschaft führt zu einer Anonymität, die es erlaubt, nicht hin zu sehen, was gleichbedeutend mit dem Verlust der persönlichen Verantwortung und dem Rückgang der menschlichen Anteilnahme ist.
Hahn nannte das den "Feind des guten Willens".
Mit seinem erlebnistherapeutischen Konzept sollten diese Krankheiten der Gesellschaft bekämpft werden, um so "heilenden Kräften zur Entfaltung" zu verhelfen. Voraussetzung und Bedingungen waren für Hahn insbesondere in einer hochtechnisierten und durchmediatisierten Welt die Ernsthaftigkeit und Unmittelbarkeit der Situation.

Der Dienst am Nächsten wurde von Hahn als wichtigstes Element der Erlebnispädagogik bezeichnet:
Hilfsbereitschaft und menschliche Anteilnahme sollten im Rettungsdienst z.B. beim Einsatz in Feuerwehr oder Bergwacht geweckt und gestärkt werden und den Kindern das Gefühl geben, gebraucht zu werden und sie gleichzeitig erkennen lassen, wie wichtig und notwendig es ist, anderen Menschen zu helfen.

Vor diesem Hintergrund entschloss sich das Martinswerk im Jahr 2006 zu einer Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk in Meschede, wo spielerisch Ernstsituationen geprobt werden und auf eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Gesellschaft vorbereitet wird, eben eine Erziehung zur Verantwortung.
In Kooperation mit dem THW erleben unsere Kinder, wie sie konkret Hilfe leisten können zur Stärkung der Solidarität mit Schwächeren und der Fähigkeit zur Empathie, Erziehung zur Verantwortung.

► Bogenschießen "Robin Hood"

"Zum Handeln gehört wesentlich Charakter, und ein Mensch von Charakter ist ein Mensch, der bestimmte Ziele vor Augen hat und diese mit Festigkeit verfolgt."
( G. W. Friedrich Hegel)
 
Bogenschießen kann mit für das Leben bedeutsamen Erlebnis- und Lerninhalten verbunden werden:
Die Fähigkeit Loszulassen, die Zielorientiertheit und die absolute Konzentration und Sammlung sind Erfahrungen, die dabei gemacht werden können.
So wirkt es depressiven Tendenzen entgegen: Konzentration auf sich und ein Ziel, die stolze Aufgerichtetheit in der Körperhaltung, lernen loszulassen, - das sind einige der notwendigen Lernerfahrungen, die aus solchen Verstimmungen führen.
Für Kinder und Jugendliche mit solchen Tendenzen ist der Bogenschieß-Kurs "Robin Hood" gedacht, aber auch für solche, die sich in einer Zielorientierung schwer tun oder Konzentrationsprobleme haben.
Letzteres wird als ein Einzeltraining durchgeführt.

Vordergründiges Ziel eines Kurses ist es, die Tauglichkeit für den Bogenschießparcours in Marsberg zu erreichen, den wir im Abschluss besuchen.
Der Kurs ist für je 6 Personen gedacht, die sich verbindlich für die Teilnahme anmelden.
Es können zwei Kurse parallel stattfinden, um eine Konkurrenzsituation zu schaffen.
Die Wettbewerbe finden dann gegeneinander statt.
Für Mädchen bietet der Kurs eigens interessante Lernerfahrungen.
Zusätzliche freizeitpädagogische Angebote:

► Schwimmbad mit Veranstaltungen wie Wasserdisco, Wasserolympiade und  Freischwimmerabzeichen

Das hofeigene Schwimmbad bietet täglichen Treffpunk zum Planschen, sich Nassspritzen, Herumtollen und Ballspielen. Dort wird der Salto vom Sprungbrett geübt, kleine Wettkämpfe veranstaltet, geschnorchelt und getaucht, gemütlich abgehangen und mit dem Bademeister herumgealbert.
Die Wasserdisco findet monatlich statt und findet begeisterte Besucher.
Bei der Wasserolympiade sind die Disziplinen Quietscheentchenrennen, Fischen Staffelschwimmen, Luftballontanzen, Schatztauchen, Unterwasserpuzzlen und  Wasserfußball gefragt!

► Tretmühle mit  Anleitung der Kinder zur Fahrradreparatur:
Die Tret-Mühle ist eine Fahrradwerkstatt im Martinswerk.
Hier können die Kinder und Jugendlichen eigene Fahrräder mit fachkundiger Hilfe reparieren oder ältere Fahrräder aus Spenden für den Eigenbedarf wieder herrichten,
Fahrräder für eine Fahrradtour ausleihen und Reparaturmaterial für Fahrräder beziehen.

Neben der fachlichen Anleitung bietet die Werkstatt aber auch Raum für Gespräch, zwangloses Sich-Aussprechen und Erzählen durch das immer offene Ohr unseres Fahrradtechnikers.

► Mikado, Jugendtreff mit begleiteter Selbstorganisation und Gestaltung durch die Kinder

Das Mikado dient als regelmäßiger Kinder- und Jugendtreff. Die Kinder organisieren und kreieren diesen Treff weitgehend selbst und tragen so mit Verantwortung  für die Ordnung, die Sauberkeit und guten Ablauf. Bei regelmäßigen Veranstaltungen geht es hauptsächlich um Spaß, Unterhaltung und Geselligkeit bei Dartspiel, Kicker, Tanzen und Musikhören. Gleichzeitig werden jedoch auch Alltagsfertigkeiten, soziale Kompetenzen, Spiel- Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten trainiert.

► Mehrtägige Radtouren z.B. zu den Seen in der Umgebung mit Camping

Auf die Kinder wartet eine anstrengende Tour, bei der das Genießen der sauerländischen Landschaft, leckere Mahlzeiten am Lagerfeuer oder vom Grill,  die Idylle am See und das Gemeinschaftserlebnis aber für die Mühe entschädigen.

► "Mädchentag" - Wellnessangebot für Mädchen

Mädchen in der Jugendhilfe kommen oft aus einem familiären und sozialen Kontext, in dem ihnen zu verstehen gegeben wurde, dass sie als Frauen wenig(er) wert sind. Dementsprechend gering sind der Selbstwert und wenig ausgeprägt die Besinnung auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse nach eigenem Raum und Selbstschutz. Sie erleben sich oft nur in Beziehungen als vollwertig und vollständig.
Zur Besinnung auf den eigenen Wert ist dieser Verwöhntag gedacht, an dem die Mädchen sich nur um sich selbst kümmern und frei vom Beziehungsstress zur Ruhe kommen können.

► Vorbereitung und Begleitung der Kinder zur Teilnahme an Wettkämpfen wie Volksläufen, Triathlon und Run- and Roll Day

"Wir vermögen mehr als wir glauben. Wenn wir dies erleben, werden wir uns in Zukunft nicht mit weniger zufrieden geben."
(Kurt Hahn)